Erschaffe deine Wirklichkeit (Teil 1: Deine Brille)

Wir Menschen sind in vielerlei Hinsicht Propheten. Das meine ich an dieser Stelle nicht im religiösen Sinn. Bestimmt hast du schon von selbsterfüllenden Prophezeiungen gehört. „Ach, das wird doch eh nix…“ Und prompt geht es dann auch schief. Wir erschaffen uns unsere Wirklichkeit ob wir nun wollen oder nicht. Ständig sind wir schöpferisch tätig. Wäre es da nicht gut, wenn wir bewusst erschaffen und kreieren?

Wir sehen die Welt durch unsere eigene Wahrnehmungsbrille

„Problem talk creates problems, solution talk creates solutions.“ (Steve de Shazer)

Vielleicht denkst du jetzt: Karin, das ist doch ein bisschen anmaßend, mich als Prophet oder schöpferisches Wesen zu bezeichnen.

Was ich damit sagen möchte ist, dass wir unsere Macht häufig völlig unterschätzen. Vor allem die Macht, die wir über uns selbst haben und die natürlich auch in unser Umfeld abstrahlt und damit letztlich die Welt verändert.

In dieser Artikelserie geht es darum, wie wir unsere Wirklichkeit verändern können. Den Anfang macht das Thema Wahrnehmung. Das klingt vielleicht ein bisschen abstrakt, deshalb verwenden wir dafür im folgenden die Begriffe Brille und Filter.

Brillen und Filter

„Denk daran, dein Fokus bestimmt deine Wirklichkeit.“ (Qui-Gon Jinn, Jedi-Ritter)

Zum einen ist das, was wir erleben ja unsere eigene Sicht der Dinge. Wir alle laufen mit unseren eigenen Brillen herum, die uns unser Unterbewusstsein verpasst. Wir sind ständig von einer Vielzahl von Informationen und Sinneseindrücken umgeben, von denen unser Gehirn nur einen Bruchteil in unser Bewusstsein bringen kann. Wir wären ansonsten schier überfordert. Während du diesen Artikel hier liest, passieren unendlich viele weitere Dinge. Du bist von Geräuschen, optischen Reizen, vielleicht anderen Menschen umgeben, deine Atmung, dein Herzschlag und vieles mehr in deinem Körper funktionieren, ohne, dass du es bewusst steuern müsstet. Dein Bewusstsein, deine „Brille“, ist gerade auf das Lesen dieses Textes gerichtet. Der Rest wird weitgehend ausgeblendet.

Das passiert aber nicht nur bei Sinneseindrücken und Vorgängen in unserem Körper, sondern deine Brille filtert noch viel mehr Informationen. Das Ganze nennt sich „Selektive Wahrnehmung“.

Wie unser Gehirn uns überlistet

Hier zwei Beispiele für selektive Wahrnehmung:

  • Du bist von anderen Menschen umgeben, alle reden durcheinander und du verstehst nicht, worüber genau geredet wird. Sobald aber dein Name fällt, wirst du sofort hellhörig.
  • Du denkst darüber nach, dir ein neues Auto zu kaufen. Eine bestimmte Marke und Farbe. Plötzlich siehst du scheinbar überall dieses Auto herumfahren. Gab es davon vorher auch schon so viele?

Jetzt kommt etwas Entscheidendes:

Wenn du von etwas überzeugt bist, wird dein Gehirn dafür „Beweise“ sammeln und Informationen, die das Gegenteil aussagen nicht oder weniger stark in dein Bewusstsein holen.

Ich war zum Beispiel lange Zeit davon überzeugt, dass jedes Mal, wenn ich eine fremde Stadt bereise, dort der Kirch-, Dom-, Kathedralenturm wegen Bauarbeiten eingerüstet ist. Und immer, wenn ich das sah, dachte ich: „Ha! Da haben wir es mal wieder. Überall, wo ich hin komme, sind Bauarbeiten an den Kirchen.“

Die Wahrheit ist vermutlich, dass mir die nicht eingerüsteten Kirchtürme gar nicht aufgefallen sind. Schließlich habe ich (unbewusst) Beweise für das Gegenteil gesucht.

Und das ist kein Einzelfall. Wir alle haben unsere Brillen. Auf der einen steht „Nie hilft mir jemand“, andere Brillen filtern „Ich stehe immer an der falschen Kasse an“, „Mein Partner lässt immer die Zahnpastatube offen“, „Nie werde ich ernst genommen“ und so weiter. So hat jeder seine ganz persönliche Brille mit Überzeugungen.

So werden diese Brillen zu selbsterfüllenden Prophezeiungen.

Brillenwechsel

Bist du nicht zufrieden mit deiner Brille? Dann setz eine andere auf! Wie eine richtige Brille auch, kannst du an deiner Wahrnehmung arbeiten und sie aktiv verändern.

Eine gute Möglichkeit dafür ist, die „Gegenbeweise“ schriftlich festzuhalten. Wenn du dich dabei erwischst, wie du denkst „Immer…“, „Nie…“ oder „Alle (Menschen/Mitarbeiter/Banker/Jobs/was auch immer) sind (egoistisch/unfreundlich/langweilig/gierig/Adjektiv deiner Wahl)“, tritt gedanklich einen Schritt zurück und mach dir eine Liste mit Gegenbeweisen. Das müssen noch nicht einmal deine eigenen Erfahrungen sein.

Auch ein Tagebuch kann deine Brille verändern. Wenn du zum Beispiel jeden Tag notierst, wofür du dankbar bist in deinem Leben, stellst du fest, dass doch nicht alles so schlecht ist, wie du vielleicht dachtest. Dazu habe ich ausführlich in diesem Blogbeitrag berichtet.

Viele unserer Brillen sind allerdings schon so festgewachsen, dass wir sie gar nicht mehr bemerken. Da hilft nur der Spiegel von außen. Hierzu kannst du eine nahestehende Person bitten, dir ehrlich zu sagen, wie sie dich wahrnimmt. Auch ein Coach oder Mentor hilft dir, hier schnell und effektiv voran zu kommen.

Das war Teil 1 der Serie zum Thema „Erschaffe deine Wirklichkeit“. Im nächsten Teil geht es darum, dass du nicht die einzige kreative Schöpferin auf diesem Planeten bist. Auch die Menschen in deinem Umfeld sind fleißig dabei. Das kann zu Problemen führen, ist aber andererseits auch ein mächtiges Werkzeug. Sei gespannt!

Alles Liebe
Deine Karin

Bild von Ulrike Mai auf Pixabay

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