Die Löwin im Affenwald – 3 Schritte, um deine Gedanken zu zähmen

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

Talmud

meditation

Das 1-Minuten-Experiment

Heute möchte ich Dich mal zu einem Experiment einladen. Setze dich bequem und aufrecht hin und stelle deinen Wecker auf eine Minute. Wenn der Timer läuft, schließe die Augen und atme drei Mal tief durch. Dann atme normal weiter und konzentriere dich drauf, wie der Atem in deine Nase strömt und wieder heraus. Sitze einfach still da und beobachte was passiert. Versuche nichts zu unterdrücken, sondern nimm einfach neugierig wahr. Wenn der Wecker klingelt, öffne die Augen wieder.

Bitte führe diese Übung jetzt durch.

Wie ist es dir ergangen? Vermutlich in etwa so: Einatmen … Ausatmen … einatmen … Ach, ich darf nicht vergessen, Bananen einzukaufen … Beim Nachbarn werden schon wieder Türen geknallt, die haben es auch nicht leicht mit der Teenager-Tochter … Diesen roten Pulli habe ich auch schon ewig nicht mehr getragen … Wann war ich eigentlich das letzte Mal beim Zahnarzt? … UUUPS! Zurück zum Atmen … einatmen … ausatmen … Muss dieser Vogel gerade jetzt vor meinem Fenster zwitschern? … Wie lang dauert eigentlich diese Minute? …

Affengeist

Wusstest du, dass wir täglich etwa 60.000 (!) Gedanken denken? Wenn wir von 16 Stunden Wachzeit ausgehen, macht das 3.750 Gedanken pro Stunde oder 62,5 Gedanken pro Minute. Also durchschnittlich etwa ein Gedanke pro Sekunde.  Was für ein Feuerwerk an elektrischen Impulsen in deinem Gehirn! Im Meditationsumfeld nennt man das auch „Affengeist“.

Ständig quasselt es in unserem Kopf und wir versuchen, der Welt um uns herum einen Sinn zu geben. Und so vieles davon passiert unbewusst. Der Persönlichkeitsexperte Jens Corssen sagt: Wir denken meist nicht selbst, sondern es denkt uns. Anhand von bereits erlebten Erfahrungen bewerten wir, was die aktuelle Situation für uns bedeutet und wägen ab, wie wir darauf reagieren.

Achtung, hier kommt ein wichtiger Punkt: DU BIST NICHT DEINE GEDANKEN.

Gehirn im Automatikmodus

In der kleinen Meditationsübung, die du gerade gemacht hast, konntest du vielleicht schon feststellen, dass du nicht deine Gedanken bist, sondern dich selbst beim Denken beobachten kannst. Das bedeutet, du bist nicht identisch mit deinen Gedanken, sondern deine Gedanken sind nur ein Teil von dir.

Glaubst du, deine Gedanken beeinflussen dein Leben? Ich finde das eingangs genannte Zitat aus dem Talmud sehr zutreffend. Unsere Gedanken beeinflussen unser Leben ganz massiv und darum sollten wir gut auf sie achten. Unsere Welt ist so voll von Informationen und Sinneseindrücken, dass wir nur einen Bruchteil davon wahrnehmen (können). Unser Gehirn nutzt darum Filter. Außerdem liebt es Schubladen, denn das Denken in vorgefertigten Bahnen kostet viel weniger „Rechenleistung“. Je öfter ein Gedanke wiederholt wird, desto mehr glauben wir daran. Egal ob er objektiv wahr ist oder nicht. Unser Gehirn mag keine Widersprüche darum filtert es die Wirklichkeit, liefert dir „Beweise“ für deine Annahmen und blendet den Rest einfach aus.

Vielleicht ist dir das schon einmal aufgefallen. Du liebäugelst mit einem neuen Auto und plötzlich siehst du genau dieses Modell ständig an dir vorbeifahren. Der Effekt ist auch bekannt von schwangeren Frauen. Plötzlich sieht frau überall Schwangere! Waren diese Autos und schwangeren Frauen vorher auch schon da? Ja. Aber sie sind herausgefiltert worden, weil sie für das Gehirn gerade nicht relevant waren. Diese Beispiele sind noch recht harmlos, aber der Automatikmodus führt auch zu Problemen:

  • Du erkennst großartige Gelegenheiten nicht, weil sie herausgefiltert oder auf eine Weise bewertet werden, die sie für dich uninteressant erscheinen lassen. Beispiel: Du machst eine nette Bekanntschaft auf einer Party, aber diese Frau erinnert dich irgendwie an deine beste Freundin aus der Schule, die dir dann den Freund ausgespannt hat. Ihr werdet dann irgendwie nicht so richtig warm miteinander…
  • Du bildest Vor-Urteile über Situationen und andere Menschen und passt automatisch dein Verhalten an. So wird vieles zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung. Beispiel: Du kannst es dir auf gar keinen Fall leisten, einen bestimmten Kunden zu verlieren. Du malst dir in deinen Gedanken aus, was alles Schreckliches passieren würde, wenn dieser Kunde weg ist. Der Kunde spürt dein defensives Verhalten, verliert sein Vertrauen in deine Fähigkeiten und kündigt.
  • Die wenigen Prozent an förderlichen Gedanken, die du hast, werden von deinem inneren Kritiker direkt klein geredet und „Gegenbeweise“ angeführt. Beispiel: Du nimmst dir vor, mit dem Rauchen aufzuhören, aber innerlich denkt es dich: Ach, das habe ich doch schon so oft versucht. Warum sollte es diesmal klappen? Wie wahrscheinlich ist es mit dieser Haltung, dass es funktioniert? Und wenn es nicht funktioniert, hat dein Gehirn wieder einen Beweis mehr dafür.

Du merkst, deine Gedanken haben ein gewisses Eigenleben. Und wie alles in der Natur hat das auch einen Sinn und sein Gutes: dein Gehirn möchte dein Überleben sichern und wenn du jedes Mal erst fünfzig verschiedene Optionen durchdenkst, wenn du eine rote Ampel siehst, kann das gefährlich werden und kostet einfach viel Zeit und Energieressourcen.

Die gute Nachricht ist: du kannst das zu deinem Vorteil nutzen.

Lass die Affen nicht auf deiner Nase herumtanzen

Wie würde nun eine weise Löwin mit so frechen Affen umgehen, die umherspringen, kreischen und Chaos veranstalten?

Hinter den Affen herzujagen ist nicht sehr erfolgversprechend. Vielleicht erwischst du den einen oder anderen, aber die meisten Affen flüchten sich einfach kreischend auf die nächsten Bäume, machen eine lange Nase und dein Problem fängt wieder von vorne an.

Eine bessere Strategie sähe so aus:

  1. Du erkennst die Affen an und gestehst ihnen ihr Existenzrecht zu. Die Natur merzt alles aus, was keine Rolle im Ökosystem hat. Auch die wilden Affen (und deine täglich 60.000 Gedanken) haben eine Aufgabe in dieser Welt. Das ist wirklich wichtig. Du musst nicht gegen dich selbst ankämpfen, sondern kannst die vorhandene Energie in günstigere Bahnen umleiten.
  2. Du gehst in die Führung. Die Affen dürfen ihr Naturell ausleben, aber DU bist die Königin im Tierreich und darfst ihnen Grenzen setzen. Dabei musst du keine autokratische Herrscherin werden. Wenn du es geschickt anstellst, wird daraus ein Win-Win. Du kannst deine Gedankenfilter immer wieder prüfen und hinterfragen und durch Techniken wie Meditation immer mehr Selbsterkenntnis gewinnen. Du kannst ganz bewusst neue Gedanken denken und integrieren. So änderst du nach und nach auch deine Filter. Damit werden wir uns auch in diesem Blog immer wieder beschäftigen. Die selbsterfüllende Prophezeiung funktioniert auch im positiven Sinne!
  3. Du stellst den Affen einen tollen Wald zur Verfügung, wo sie sich ausleben können und im Gegenzug versprichst du ihnen Schutz. Mach sie zu deinen Unterstützern und sie werden dich aufheitern und dich warnen, wenn dein Königreich in Gefahr ist. Dein Gehirn und deine Gedanken arbeiten FÜR dich und nicht gegen dich. Wie schon in meinem letzten Beitrag erwähnt, haben wir ein Bedürfnis nach Sicherheit. Du kannst für dich reflektieren, welche Gedanken an welcher Stelle produktiv oder destruktiv sind, wo du Grenzen ziehst.

 

Um nach und nach deiner Gedanken Herrin zu werden, brauchst du Achtsamkeit und Selbstreflektion. Meditation ist ein gutes Werkzeug, um die Achtsamkeit zu entwickeln, deshalb werden wir uns hier näher damit beschäftigen und immer mal wieder Löwinnen-Meditationen einstreuen.

Übernimm als Löwin die Führung

Meine Einladung an dich: nimm dir täglich eine Minute Zeit und führe die Meditationsübung durch. Übe dich darin, eine Beobachterrolle einzunehmen. Denke daran, es geht nicht darum, die Affen zu bekämpfen. Schau ihnen einfach bei ihrem Treiben zu und lerne, was sie umtreibt. So kannst du schon bald eine Allianz mit ihnen schmieden.

Wenn die Minute keine Herausforderung mehr für dich ist, steigere die Zeit langsam. Wichtig ist es gerade am Anfang, die Hürde möglichst niedrig zu setzen. Eine Minute geht immer, da gibt es keine Ausreden für eine Löwin. Nach einer Weile wirst du bemerken, dass immer öfter die Affen für einen kurzen Augenblick ganz still sind. Je mehr du übst, desto mehr akzeptieren die Affen dich als Löwenkönigin und du gewinnst mehr Souveränität über deine Gedanken, auch wenn du gerade nicht meditierst.

Gerne kannst du mir von deinen Erfahrungen und vielleicht auch Herausforderungen beim Affenbändigen berichten. Ich freue mich über deine Nachricht.

Deine Karin

PS: Einige Momente der Achtsamkeit bereiten auch den Boden für die effektive Arbeit an dir selbst, daher setze ich Achtsamkeitsübungen auch beim Löwinnen-Fokustag, dem Löwinnen-Call oder der Löwinnen-Mastermind ein.

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